Die RSL-Strategie
Relative Stärke nach Levy – einfach erklärt und praktisch eingeordnet.
RSL steht für Relative Stärke nach Robert A. Levy. Levy untersuchte bereits in den 1960er-Jahren, ob Aktien, die relativ stark sind, dazu neigen, auch in den folgenden Monaten stärker zu bleiben als schwächere Aktien.
Der RSL-Wert ist dabei keine Prognose. Er ist eine nüchterne Kennzahl dafür, wie weit der aktuelle Kurs über oder unter seinem eigenen längerfristigen Durchschnitt liegt. Aus vielen solchen Werten lässt sich anschließend eine Rangliste bilden.
1. Die RSL-Strategie nach Levy
Die klassische Idee ist einfach: Man betrachtet ein festes Aktienuniversum – häufig wird dafür heute beispielsweise der S&P 500 verwendet – berechnet für jede Aktie ihre Relative Stärke und sortiert alle Titel vom stärksten bis zum schwächsten.
Eine heute häufig verwendete, sehr eingängige Umsetzung arbeitet mit fünf gleichgewichteten Aktien: Zu Beginn werden die fünf stärksten Titel des Universums gekauft. Danach wird regelmäßig – typischerweise wöchentlich – neu gerankt. Fällt eine Depotaktie aus dem obersten Viertel, also den Top 25 %, wird sie verkauft und durch einen aktuell sehr weit oben stehenden Titel ersetzt.
Wie Levy die Relative Stärke berechnete
In Levys ursprünglicher Arbeit wurde der aktuelle Wochenkurs durch den Durchschnitt der aktuellen und der 26 davorliegenden Wochenkurse geteilt. Praktisch entspricht das einem gleitenden Durchschnitt über 27 Wochenwerte.
Je höher der Wert, desto stärker ist die Aktie relativ zu ihrem eigenen mittelfristigen Kursniveau. Für eine Strategie reicht der absolute Wert aber noch nicht: Entscheidend wird das Ranking aller Aktien im gewählten Universum.
2. Das Ganze im Chart
Die Grafik zeigt genau das Prinzip hinter dem RSL. Die helle Kurslinie steigt stärker als ihr geglätteter 27-Wochen-Durchschnitt. Der Abstand zwischen aktuellem Kurs und Durchschnitt erzeugt einen RSL-Wert über 1.
Schematische Darstellung: Je weiter der aktuelle Kurs oberhalb des 27-Wochen-Durchschnitts liegt, desto größer ist der RSL-Wert. Für die Aktienauswahl werden anschließend alle RSL-Werte innerhalb des Universums miteinander gerankt.
3. Ein einfaches Zahlenbeispiel
Drei Aktien können am selben Tag völlig unterschiedlich aussehen. Die RSL macht diese Unterschiede vergleichbar.
| Aktie | Aktueller Kurs | 27-Wochen-Durchschnitt | RSL | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| A | 130 € | 100 € | 1,30 | deutliche Stärke |
| B | 105 € | 100 € | 1,05 | leichte Stärke |
| C | 90 € | 100 € | 0,90 | relative Schwäche |
Die RSL sagt nicht voraus, dass Aktie A morgen weiter steigt. Sie zeigt lediglich objektiv, dass Aktie A aktuell wesentlich weiter über ihrem mittelfristigen Durchschnitt notiert als B oder C.
4. Warum kann so eine Strategie funktionieren?
Der Ansatz gehört zur Familie der Momentum- und Trendfolge-Strategien. Er setzt darauf, dass Stärke und Schwäche an den Märkten häufig nicht sofort verschwinden, sondern eine gewisse Zeit anhalten. Genau diesen Fortsetzungseffekt untersuchte Levy.
- Starke Aktien werden anhand einer festen Kennzahl sichtbar.
- Das Ranking ersetzt einen großen Teil subjektiver Bauchentscheidungen.
- Nachlassende Stärke führt automatisch zum Austausch einer Position.
- Man versucht nicht, Tiefpunkte vorherzusagen, sondern folgt vorhandener Stärke.
Das hat aber einen Preis: In abrupten Trendwechseln oder schwachen Marktphasen kann eine Momentum-Strategie schnell mehrere Fehlsignale hintereinander produzieren. Relative Stärke ist deshalb kein Schutz vor Verlusten.
5. So nutzt MomentumRadar den RSL-Wert
MomentumRadar übernimmt nicht einfach ein starres Fünf-Aktien-Depot nach dem klassischen Schema. Wir nutzen den RSL stattdessen als zentralen Stärke-Faktor innerhalb eines größeren Auswahlprozesses.
- Mehrere tausend Aktien werden regelmäßig nach ihrer relativen Stärke sortiert.
- Der RSL liefert den objektiven Momentum-Anteil des Rankings.
- Zusätzlich wird beurteilt, wie sauber und stabil der Kursanstieg tatsächlich verläuft.
- KI-gestützte Trendqualität und weitere Qualitätsmerkmale helfen dabei, sprunghafte oder unruhige Verläufe von sauberen Trends zu unterscheiden.
- Die Marktampel steuert, wie offensiv neue Momentum-Positionen überhaupt aufgenommen werden.
Das ist der wesentliche Unterschied: Levy liefert die Idee der relativen Stärke und des Rankings. MomentumRadar verwendet diese Idee als einen Baustein eines umfassenderen regelbasierten Systems.
6. Warum ein hoher RSL-Wert allein nicht reicht
Ein sehr hoher RSL kann auch durch einen einzigen explosiven Kurssprung entstehen. Zwei Aktien können denselben RSL-Wert besitzen und trotzdem völlig unterschiedliche Charts haben: Die eine steigt ruhig über Monate, die andere springt nach einer Nachricht plötzlich nach oben.
Deshalb schaut MomentumRadar zusätzlich auf Trendqualität, Chartstruktur und Marktphase. Der RSL beantwortet vor allem die Frage „Wie stark?“ – nicht automatisch die Frage „Wie gut ist dieser Trend?“.
7. Was die RSL nicht kann
- Sie kann zukünftige Kurse nicht vorhersagen.
- Sie erkennt fundamentale Unternehmensprobleme nicht automatisch.
- Ein hoher Wert schützt nicht vor plötzlichen Kursstürzen.
- Die Wahl des Aktienuniversums und der Ausstiegsregeln beeinflusst das Ergebnis erheblich.
Die Stärke der RSL liegt gerade in ihrer Einfachheit: Sie misst Kursstärke objektiv und ermöglicht ein klares Ranking.
Video zur RSL-Strategie
Die RSL-Strategie am echten Chart
Ich habe zu diesem Thema auch ein YouTube-Video erstellt. Dort zeige ich die Berechnung und das Ranking noch einmal direkt am Chart und erkläre, wie die klassische RSL-Idee und die Verwendung des RSL-Wertes bei MomentumRadar zusammenhängen.
Sobald das Video veröffentlicht ist, kann es hier direkt angesehen werden.